Siegel „TOP-Coach 2016“

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ und das Karrierenetzwerk Xing wollen mit der Benennung von 500 „TOP-Coachs“ „Orientierung im Coaching-Wirrwarr“ schaffen. Aus Sicht des Roundtable der Coachingverbände, einem Zusammenschluss der 13 größten Coachingverbände in Deutschland, dient das gemeinsam von Xing und Focus verfolgte Projekt allerdings eher den Marktinteressen der Initiatoren als besserer Transparenz im Coachingmarkt. Die Coachingverbände betonen in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass die Ermittlung von Top-Coachs nur nach kollegialen Empfehlungen oder Empfehlungen durch Personaler nicht hilfreich ist. Sie verweisen auf ihr im vergangenen Jahr der Öffentlichkeit vorgestelltes Papier „Profession: Coach“, das Klientinnen und Klienten sowie Auftraggebern von Coaching Orientierung zu zentralen inhaltlichen Fragen liefert. Der Roundtable der Coachingverbände (RTC) empfiehlt, von den Verbänden ausgewiesene Fachleute mit einem Coaching zu beauftragen, statt auf die Listen von Xing oder Focus zu vertrauen.

Der Roundtable der Coachingverbände hat dazu eine Stellungnahme verfasst, die Sie hier nachfolgend lesen und in unserem Downloadbereich auch downloaden können.

Stellungnahme zur Aktion:

„XING/Focus Top-Coach-Siegel - 500 Top-Coaches"

Immer wieder gibt es Dinge, die die (Coaching-) Welt wirklich nicht braucht, weil sie Unruhe auf dem Coachingmarkt bringen und zu Ärgernissen auch bei uns in der ICF führen, da sie echte und professionelle Bemühungen über Coachingverbandsgrenzen hinaus zu entwerten versuchen.

Während die Coachingverbände sich über viele Jahre hinweg gemeinsam im Roundtable der Coachingverbände (RTC) um Transparenz im ungeschützen Coachingmarkt bemühen, ein entsprechendes Positionspapier erarbeitet haben und intensiv daran arbeiten, Qualität im Coaching messbarer zu machen, ist das für Focus/XING offenbar nicht relevant.

Hier wird mal eben ein „Coach-Siegel" aus der Taufe gehoben. Die hinterlegten Auswahlkriterien sind zwar nicht transparent, dafür hat der Markt jetzt 500 sogenannte „TOP-Coachs". (Dass sich in der Liste erkennbar viele professionell arbeitende Coachs befinden, ist unbestritten. Die waren aber auch vorher schon als Profis bekannt und wurden weiter empfohlen.)

Diese „TOP-Coachs" wurden allein durch Kollegen- und Kundenbefragungen „ermittelt". Wobei nicht erkennbar ist, wer denn wen empfohlen hat.

Kritisch zu sehen ist aus Sicht der ICF Deutschland das Verfahren von Fokus/XING besonders aus folgenden Gründen:

Hier handelt es sich um ein sehr durchsichtiges und nicht sehr geschicktes Geschäftsmodell: Wollen die gekürten Coachs das auch für viele Betroffene überraschend verliehene Siegel verwenden, müssen sie dafür jährlich 5000,- Euro bezahlen - eine Investition für was? Das summiert sich. Vorher zu fragen, ob man unter diesen Bedingungen in der Liste veröffentlicht werden möchte, wäre sicher angemessen gewesen.

XING hat vor einiger Zeit eine Plattform aufgebaut, auf der für alle XING-Mitglieder, die im entferntesten Sinne etwas mit Coaching / Therapie / Beratung zu tun haben, ungefragt ein Coachprofil angelegt wurde. Durch die Vermischung der Berufsbezeichnungen entstand die stolze Summe von über 130.000 „Coachs". Aktuell werden alleine für Berlin, Hamburg und München dadurch zusammen 32.000 Coachs aufgelistet. Das ist besonders interessant, da seriöse Studien von nur circa 10.000 professionellen Coachs in Deutschland ausgehen.

Im Gespräch mit Vertretern des Roundtable der Coachingverbände (RTC) im April 2016 konnten XING-Vertreter keinerlei Qualitätskriterien bei der erfolgten Profil-Auswahl darlegen. Das ist keine Überraschung und erklärt die erkennbare Beliebigkeit in der Verwendung des Begriffs Coach.

Im Gespräch mit mehreren Mitgliedern unseres Verbandes zeigte sich: Sie sind verärgert und wollen als Reaktion darauf das eigene Coachingprofil auf XING baldmöglichst löschen. Eine nachvollziehbare Entscheidung, denn das Vorgehen und die Vermischung mit tausenden von selbsternannten Coachs auf einer Webseite kann sich durchaus als geschäftsschädigend erweisen.

Wie geht es darüber hinaus weiter?

Der Roundtable der Coachingverbände (RTC) der zurzeit aus den dreizehn größten Coachingverbänden in Deutschland besteht, vertritt rund 40.000 Mitglieder. Darunter sind circa 70 Prozent der in Deutschland aktiven professionellen Coachs.

2015 hat er das "Positionspapier Coaching" veröffentlicht. Die dort formulierten Grundaussagen zur Profession des Coachs nun stärker marktwirksam zu verbreiten, ist eine wichtige Aufgabe dieser Interessensgemeinschaft.

Der RTC und auch jeder Verband für sich werden sich auch weiterhin aktiv für transparente Kriterien bei der Auswahl eines professionellen-Coachs einsetzen. Für Interessenten sind echte Profis der Branche auch heute schon erkennbar:

  • Der Coach beherrscht sein Handwerk, d. h. er ist nicht selbsternannt, sondern verfügt über eine valide und umfangreiche Coachingausbildung. Er hat seine Qualifikation in Zertifizierungsmaßnahmen auf den Prüfstand gestellt und arbeitet kontinuierlich an seiner Kompetenz weiter. Sie hat sich zu messbaren Qualitätsstandards und Ethikrichtlinien bekannt und grenzt sich nachvollziehbar von Expertenberatung, Therapie oder reiner Weiterbildung ab.
  • Der Coach verfügt über ausreichende Praxiserfahrung und kann diese auch nachweisen – in der ICF erfolgt das automatisch im Rahmen der Zertifizierungsprozesse.
  • Coach und Klient müssen zusammen passen. Erst im Setting- / Startgespräch zeigt sich, ob die Chemie stimmt und die Grundlage für eine vertrauensvolle und effektive Arbeit besteht.

Diese Aspekte transparent darzustellen, das ist eine Aufgabe, die die Verbände im RTC gerne wahrnehmen. Hier sind die Bewertungskriterien immer offen und für alle Marktteilnehmer transparent.