KI in Coaching und Supervision - Teil 6: Abzocke im Internet

Abzocke im Internet: Wie schwarze Schafe Coaches ausnehmen und worauf du achten solltest

Das Internet ist ein wertvolles Werkzeug, das uns Zugang zu einer Vielzahl von Informationen, Dienstleistungen und Ressourcen bietet. Doch leider hat die digitale Welt auch ihre Schattenseiten. Besonders als Coach, der online Unterstützung und Ratschläge sucht, läufst du Gefahr, auf betrügerische Anbieter hereinzufallen. Diese schwarzen Schafe und halbseidenen Akteure nutzen oft die Unerfahrenheit oder Verzweiflung vieler Menschen aus, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen – häufig ohne echte Gegenleistung.

In diesem, abschließenden, Beitrag der Serie werfen wir einen Blick auf gängige Maschen dieser "Nepper, Schlepper, Bauernfänger". Ich zeige Anzeichen für unseriöse Anbieter auf und gebe Tipps, wie du dich effektiv schützen kannst. Ziel ist es, dir das nötige Wissen an die Hand zu geben, um Täuschungen zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

 

Typische Betrugsmaschen im Coaching-Bereich

Schwarze Schafe im Internet bedienen sich verschiedener Methoden, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen. Im Bereich des Coachings sind folgende Abzock-Strategien besonders verbreitet:

1. Überteuerte Online-Kurse mit fragwürdigem Inhalt

Viele Coaches stoßen bei ihrer Suche nach Weiterentwicklung auf vermeintlich exklusive Online-Kurse. Diese Kurse werden häufig mit reißerischen Versprechen beworben, wie z. B. "Erreiche in 30 Tagen zehnmal höhere Umsätze!" oder "Werde in wenigen Wochen zum gefragten Top-Coach!". Hinter solchen Aussagen verbirgt sich oft wenig Substanz. Die Inhalte sind entweder oberflächlich, nicht umsetzbar oder vollständig frei von jeglichem Mehrwert – und das zu horrenden Preisen. Ich kenne mehrere Anbieter, die dieses Versprechen in Geld verwandeln, aber keinen einzigen Kunden, der damit tatsächlich Erfolg hatte.

2. Scheinfollow-ups und nicht einlösbare Versprechen

Einige Anbieter locken Coaches mit vermeintlich lukrativen Eins-zu-eins-Beratungen oder speziellen Erfolgsstrategien. Doch nach der Zahlung der oft hohen Summen stellt sich heraus, dass hinter den groß angekündigten Konzepten nichts als hohle Phrasen und Allgemeinplätze stecken. Statt eines strukturierten Prozesses oder echter Erfolgsmethoden gibt es vage Pläne und kaum konkrete Hilfestellungen. Verbindlichkeiten wie regelmäßige Follow-ups werden ignoriert. Oft wurden die Konzepte sogar 1:1 vom amerikanischen Markt kopiert und funktionieren in Europa nicht, weil die Menschen hier anders “ticken” oder Gesetze zum Datenschutz manche Praktiken einfach verbieten.

3. Drückermethoden und psychologische Manipulation

Betrüger nutzen aggressive Verkaufsstrategien, um dich in einen Kauf zu drängen. Dazu gehört die Schaffung künstlicher Dringlichkeit ("Nur heute verfügbar!"), sozialer Druck ("Alle erfolgreichen Coaches machen das!") oder das Ansprechen von Unsicherheiten und Ängsten ("Wenn du nicht schnell investierst, wirst du bald und endgültig scheitern."). Dieses Vorgehen führt oftmals dazu, dass überhastete Entscheidungen getroffen werden.

4. Gefälschte Bewertungen und unsichtbare Referenzen

Viele unseriöse Anbieter schmücken sich mit falschen Bewertungen oder zeigen vermeintliche Kundenreferenzen, die sich bei genauerem Hinsehen als erfunden entpuppen. Häufig gibt es keine Möglichkeit, die Erfolgsgeschichten nachzuprüfen, da keine echten Ansprechpartner genannt werden.

5. Strukturierte Verkaufsgespräche

Der Erstkontakt erfolgt zu einem Mitarbeiter des Anbieters, der auf dich sympathisch wirken soll, damit er so viele Informationen wie möglich über dich sammeln kann. Sobald du darum bettelst, mehr erfahren zu dürfen, erfolgt ein zweiter Termin, bei dem du es mit einem - meist eher ruppigen - Mitarbeiter zu tun bekommst, der dir den Eindruck vermitteln soll, dass du dich anstrengen musst, damit du Kunde werden darfst. (Hier wird der Verkauf auf den Kopf gestellt).

 

Warnsignale: So erkennst du unseriöse Anbieter

Um dich vor Abzocke im Internet zu schützen, ist es wichtig, frühzeitig die Warnsignale schwarzer Schafe zu erkennen. Hier sind einige der häufigsten Anzeichen für fragwürdige Anbieter:

  • Reißerische Werbeversprechen: Versprechen wie "Garantie auf Erfolg", "Schnelle Resultate" oder "Geheimes Wissen, das andere dir nicht verraten wollen" sollten dich skeptisch machen.
  • Unklare oder intransparente Angebote: Wenn ein Anbieter keine klaren Informationen über den Umfang, die Inhalte oder den Ablauf der Dienstleistung bereitstellt, ist Vorsicht geboten. Oder wenn der Preis nicht genannt wird, bevor du eine Vielzahl an Informationen gegeben hast.
  • Druckausübung: Ein Anbieter, der dich unter Druck setzt, sofort zu kaufen oder emotionale Manipulation einsetzt, verfolgt oft weniger seriöse Absichten.
  • Überteuerte Preise ohne nachvollziehbare Begründung: Natürlich haben hochwertige Coachings und Kurse ihren Preis. Doch wenn die Kosten in keinem realistischen Verhältnis zum Inhalt stehen, handelt es sich oft um Abzocke.
  • Fehlende oder gefälschte Referenzen: Seriöse Anbieter können echte, überprüfbare Kundenstimmen und frühere Erfolge vorweisen. Ein prominenter deutscher Seminaranbieter empfiehlt den Teilnehmern seiner “Seminare” (meist mehrere Hundert Teilnehmer in großen Hallen), ein Gratis-Profil auf einer bekannten deutschen Bewertungsplattform anzulegen und sich von mindestens 50 der Anwesenden eine Bewertung geben zu lassen.

 

 

Tipps zum Schutz vor Abzocke

Das Wissen über die genannten Maschen und Warnsignale ist der erste Schritt, um dich vor Betrug im Coaching-Bereich zu schützen. Zusätzlich dazu können die folgenden Strategien helfen:

  • Prüfe den Anbieter gründlich: Recherchiere den Anbieter in Suchmaschinen und überprüfe, ob es unabhängige Bewertungen gibt. Sieh dir an, ob die Informationen über den Anbieter, seine Qualifikationen und seinen Werdegang glaubwürdig und nachvollziehbar sind.
  • Nutze unabhängige Plattformen: Vertraue Bewertungen auf neutralen Plattformen mehr als jenen, die direkt auf der Webseite des Anbieters zu finden sind, da diese manipulierbar sein können.
  • Hole unabhängig Rat ein: Sprich mit Kolleginnen und Kollegen oder anderen Coaches, die bereits Erfahrungen in der Branche gesammelt haben. Oft können sie dir wertvolle Tipps und Empfehlungen geben.
  • Lies das Kleingedruckte: Achte in Verträgen oder Angeboten darauf, dass alle Leistungen und Bedingungen klar definiert sind und keine versteckten Klauseln enthalten sind.
  • Schlafe über deine Entscheidung: Lass dich nicht zu überstürzten Käufen drängen. Seriöse Anbieter geben dir die Zeit, deine Entscheidung wohlüberlegt zu treffen.
  • Setze Budgets: Definiere vorab, wie viel Geld du investieren möchtest, und bleibe innerhalb dieses Rahmens. Dadurch lassen sich emotionale und spontane Käufe vermeiden.

 

Wenn du meine Tipps aus dieser Beitragsreihe und aus meinem EASC-Time-Vortrag “Online-Sichtbarkeit für Coaches” beachtest, brauchst du aber 95% der o.g. Anbieter gar nicht. Allenfalls einen Fotografen oder Videofilmer.

  • Achte darauf, dass dein Angebot und deine Zielkundendefinition präzise sind.
  • Schreibe Texte auf den Seiten der Homepage nicht für jedermann, sondern für deinen zuvor definierten Zielkunden.
  • Nutze den wichtigsten Suchbegriff (z.B. Konfliktcoaching für alleinerziehende Mütter) als Seitenname und mehrfach in den Überschriften und im Fließtext.
  • Mache Werbung in einem sozialen Medium (welches benutzen deine Zielkunden?), frage alle, die nicht hierüber Kontakt zu dir aufnehmen, ob du sie auf eine Mailing-Liste eintragen darfst oder in eine WhatsApp-Gruppe aufnehmen darfst, damit sie künftig deine neuen Blogbeiträge druckfrisch erhalten.

 

Fazit

Abzocke im Internet ist ein ernstzunehmendes Problem, nicht zuletzt für Coaches, die darauf angewiesen sind, ihre eigene Professionalität und Expertise am immer enger werdenden Markt zu behaupten. Eine Vielzahl an schwarzen Schafen erkannt, dass die wenigsten Guten ein gutes Onlinemarketing haben und die Anbieter mit dem besten Onlinemarketing selten die besten Coaches sind. Sie versuchen, mit wenig Aufwand maximale Gewinne zu erzielen, indem sie auf Unsicherheiten, Unwissenheit oder Eile setzt.

Mit einem kritischen Blick, gründlicher Recherche und Vorsicht kannst du dich jedoch vor diesen betrügerischen Machenschaften schützen. Sei wachsam, vertraue auf geprüfte Quellen und nimm dir die Zeit, Anbieter und Angebote eingehend zu überprüfen. In einer zunehmend digitalisierten Welt liegt es an jedem Einzelnen, Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen und informierte, wohlüberlegte Schritte zu gehen.

Bleib skeptisch, bleib informiert – und gehe deinen Weg als Coach mit einer Portion gesunder Vorsicht.

 

Falls Du noch mehr darüber erfahren möchtest, hilft Dir mein Büchlein “Lass Dich nicht verarschen Hase!” aus der Reihe Bubbly-Bunny-Bücher weiter. Aber das hat keine Eile, es sind genug für alle da und zur Not geht es auch ohne - “you know what I mean :-)

 

Fröhliche Ostern und liebe Grüße aus der Düsseldorfer Schreibstube,

Frank