Social Commerce (2) — So funktioniert Social Commerce
Bevor es Sinn macht, mit Social Commerce zu starten, ist zu überlegen, WEN wir damit erreichen wollen und WAS wir unseren Adressaten mitteilen wollen. Gleichen wir das mit den aktuellen Nutzerzahlen und der bevorzugten Verwendung ab, ergibt sich die Auswahl des bevorzugten Sozialen Netzwerks quasi von allein:
Das soziale Netzwerk | wird genutzt von | Im Business genutzt für | |
| Die 2,96 Milliarden Nutzer verteilen sich zu 80% auf die Altersklasse 65-75 Jahre, 83% sind 45-65 Jahre alt, 71 % sind 25-45 Jahre, und 29% sind jünger als 25. | Fotos, teils mit Text, Diskussionsgruppen, Verlinkung zu Videos, zum Blog etc. mit allen Informationen rund um das Unternehmen. | |
| 71 % der 4,8 Milliarden Nutzer sind jünger als 25 Jahre, 45% sind 25-45 Jahre, In der Altersklasse über 45 Jahren sind nur noch 22% bis 12% anzutreffen. | Kurze Diashows, kurze Filme, Einzelbilder, weniger Text. Oft genutzt, um die Mitarbeiter des Unternehmens zu zeigen und damit die Beziehung zum Kunden zu stärken | |
| YouTube | Hat 2,86 Milliarden Nutzer, 81% der 15-25-jährigen nutzen YouTube und 71% der 26-35-jährigen. In der Klasse über 36 Jahren ist YouTube noch mit 67% vertreten. | Erklärvideos, Produktvorstellungen, ‚Unboxing` (Life auspacken von bestellter Ware), Dokumentation von Messen, Roadshows etc. |
| TikTok | TikTok ist inzwischen mit 1,8 Milliarden Nutzern in fast allen Altersklassen mit ca.20-25% Anteil vertreten. 71% der TikTok-Nutzer sind 18 und 34 Jahre alt. | Kurze lustige Videos oder Videobotschaften, kurze Musikvideos, zur Kundengewinnung und -bindung. |
Babyboomer: 65-75 Jahre | Generation X: 45-65 Jahre | Generation Y: 25-45 Jahre, Generation Z: 16-25 Jahre
Quelle: Statista, Studie Social Commerce 2021/2022
Facebook ist das wohl bekannteste Soziale Netzwerk und wird genutzt, um Bilder und Videos mit Freunden und Kunden zu teilen. Neben einem persönlichen Profil kann eine Unternehmens-Seite angelegt werden, die dazu verwendet werden kann, Unternehmensinformationen mit Kunden und Interessenten zu teilen. Facebook hat seit seiner Gründung im Jahr 2004 das Sammeln und Analysieren der Nutzerdaten perfektioniert. Unternehmen, die kostenpflichtige Anzeigen schalten wollen, werden sehr ausgefeilte Kriterien angeboten, mit denen dafür gesorgt werden kann, dass die Anzeigen genau bei den Nutzern angezeigt werden, die sich für den Inhalt unserer Anzeige interessieren. Ferner gibt es einen Shop, so dass direkt auf Facebook verkauft werden kann, ohne einen separaten eigenen Webshop zu unterhalten. Zumindest Anbieter außerhalb der EU nutzen diesen gerne und häufig, was neben den Werbeanzeigen erklärt, wie die exorbitanten Gewinne zustande kommen, obwohl die Nutzung des Sozialen Netzwerks kostenlos ist.
Instagram gehört, wie inzwischen auch WhatsApp, zum gleichen Konzern (Meta) wie Facebook, darum sind die zwei Sozialen Netzwerke und der Messenger gut miteinander verknüpft. Beiträge, die in dem einen Netzwerk geteilt werden, können auch automatisch auf dem anderen gezeigt werden und beide Netzwerke können WhatsApp als heißen Draht zum Besucher und hoffentlich späteren Kunden nutzen. Auch bei Instagram ist es inzwischen möglich, Kriterien zu definieren, wer eine bestimmte Anzeige sehen soll und wer nicht.
YouTube wurde zwar ursprünglich von Google zum Teilen von Videos gestartet, hat sich aber vor allem bei jüngeren Nutzern als „die Suchmaschine“ etabliert. Wer nicht selbst lesen mag oder besser durch Mit- und Nachmachen lernt, findet auf YouTube eine Fülle von Schulungs- und Informationsvideos. YouTube ist damit nicht mehr nur ein Unterhaltungsmedium, sondern längst eine beliebte Anlaufstelle zur Informationsbeschaffung. Eine sehr beliebte Taktik auf YouTube ist es, kleine Werbevideos als Anzeige zu schalten und dann die Menschen, die sich für Konkurrenzprodukte interessieren, quasi ‚auf dem Weg zum Wettbewerb abzuholen‘. So kann man ein eigenes Märklin-Umsteige-Angebot an die Kunden ausspielen, die nach Videos zum Thema Tillig oder Fleischmann suchen.
TikTok ist beliebt für kurze Filmclips statt langer Erklärvideos, schnelle Schnitte und knallige Farben. Auch wenn erste Unternehmen TikTok nutzen, um mit jüngeren Kundengruppen in Kontakt zu kommen, wird TikTok noch eher für Unterhaltung als fürs Geschäft genutzt.
Folgende Unternehmen setzen bereits länger und erfolgreich auf Social Commerce: Zalando als Europas größter Online-Modehändler nutzt Social Commerce, um Kunden über Facebook und Instagram anzusprechen. Auch setzt das Unternehmen auf Influencer-Marketing, um seine Produkte auf sozialen Medien zu bewerben. Otto der deutsche Onlinehändler nutzt Social Commerce, um seine Kunden über Facebook und Instagram zu erreichen und um Kundenbewertungen und Feedback zu sammeln. About You - Das deutsche E-Commerce-Unternehmen spricht seine Kunden über Facebook, Instagram und TikTok an, um seine Produkte zu bewerben und setzt dabei teilweise auch auf Influencer-Marketing. Flixbus - Das deutsche Fernbus-Unternehmen nutzt ebenfalls Social Commerce, indem es versucht, Kunden über Facebook und Instagram zu erreichen und dort seine Angebote und Rabatte zu bewerben. Das Einzelhandelsunternehmen Lidl nutzt Social Commerce, um Kunden über Facebook und Instagram zu erreichen und um Kundenbewertungen und Feedback zu sammeln. Ein Name wäre noch zu erwähnen: Drogeriemarkt Müller. Die Ulmer sind inzwischen nicht nur mit Kosmetik, sondern auch mit Spielwaren in den Sozialen Medien aufgetaucht. Es gilt also inzwischen auch online, Marktanteile zu behaupten.
Influencer sucht man in der Spielwaren-, Hobby- und Kreativbranche dagegen noch vergeblich. Während in der Szene der Computerspieler einige der erfolgreichsten deutschen Influencer zu finden sind, kann das übrige Sortiment noch nicht mit einer Leitfigur aufwarten.
Ausgehend von Ihren Kunden haben Sie sich sicher schon für einen Favoriten entschieden, auf dem Sie sich zuerst ins Abenteuer Social Commerce stürzen wollen. Diesen gilt es nun mit Inhalten (Content genannt) zu versehen. Welche sich dazu eignen, erfahren Sie im dritten Teil der Beitragsreihe: ‚So mischt man bei Social Commerce richtig mit‘. Bis dahin empfehle ich, sich auf den vier hier genannten Netzwerken umzusehen und vor allem die Profile/Seiten der dort bereits erfolgreich aktiven Kollegen anzusehen und sich schon ein wenig inspirieren zu lassen.
Dabei bitte ich, vor allem auch die Informationen aus meinen ersten Beiträgen im Hinterkopf zu behalten, das „Was für Wen?“, denn dieser Dreiteiler bezieht sich ja nur auf das „Wo?“. Sprich: Die ausgewählte Social Media Plattform ist nur das Schaufenster, in dem wir die Informationen (Was) für unsere Zielkunden (Wen) aushängen.
Ich wünsche einen fröhlichen Spätsommer,
Frank Max