Handeln in unsicheren Zeiten
Wie Coaching und Supervision
Klarheit und Selbstwirksamkeit fördern
Im Rahmen unseres diesjährigen EASC-Kongresses haben mehr als 100 Coaches und Supervisor*innen aus ganz Europa ihre Ideen zusammengetragen. Als Ergebnis eines World-Cafés stellen wir hier die Gedanken und Erkenntnisse zu vier Perspektiven vor: Sie zeigen auf, wie unser Berufsstand in Zeiten von Wandel und Unsicherheit zu Klarheit, Resilienz und Selbstwirksamkeit beitragen kann.
1. Welche Erkenntnisse und Motivationen haben wir aus der Keynote von Orsi Temesvári mitgenommen?
Orsi berichtete in ihrer Keynote von ihrer leistungsorientierten Karriere, die durch einen schweren Unfall jäh beendet wurde. Mit einer Querschnittslähmung ab den Halswirbeln, musste sie eine völlig neue Lebensgeschichte für sich finden.
Hier die Reflexionen aus dem World-Café: Die Keynote betonte die Kraft persönlicher Geschichten, Akzeptanz und Selbstverantwortung. Viele Beiträge heben hervor, dass wir unsere eigene Erzählung bewusst wählen und gestalten können. Innere Haltung, Achtsamkeit und Perspektivwechsel wurden als Schlüssel zur Selbstwirksamkeit gesehen - Verletzlichkeit, Menschlichkeit und Authentizität als Stärke und Quelle von Resonanz betont. Der Prozess, Erlebtes zu akzeptieren und in Stärke zu transformieren, braucht Zeit und Mut. Insgesamt entstand ein starkes Bild von Selbstbestimmung, innerer Freiheit und der Bedeutung von Präsenz im Hier und Jetzt.
2. Was können Supervisor*innen und Coaches auf der Ebene von Gruppen, Teams und Organisationen anbieten, um sie in Zeiten von Wandel und Unsicherheit zu mehr Klarheit und Selbstwirksamkeit zu begleiten?
Auf dieser Ebene sind sichere Räume, klare Strukturen und eine Kultur des Miteinanders zentral. Teams brauchen psychologische Sicherheit, offene Kommunikation und die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen einzubringen. Werteorientierung, Resilienztraining und Fehlerfreundlichkeit werden als wichtige Ressourcen gesehen. Führungskräfte sollten ihre eigene Klarheit reflektieren und auch Verletzlichkeit zeigen. Methoden wie Change-Management, Intervisionen und Prozesssteuerung schaffen Orientierung und Kohärenz. Ziel ist es, Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit in Organisationen zu fördern und Wandel aktiv zu gestalten.
3. Was können Supervisor*innen und Coaches auf individueller Ebene anbieten, um Menschen in Zeiten von Wandel und Unsicherheit zu mehr Klarheit und Selbstwirksamkeit zu begleiten?
Individuell stehen Zuhören, Wertearbeit und das Stärken von Selbstvertrauen im Mittelpunkt. Coaches helfen, Ressourcen zu erkennen, Glaubenssätze zu hinterfragen und kleine Schritte in Richtung Handlungsfähigkeit zu gehen. Erfolgsgeschichten und Pläne geben Sicherheit und Orientierung. Reflexion, Emotionsregulation und Sinnarbeit unterstützen die persönliche Stabilität. Auch das Zulassen von Unsicherheit und das Finden eigener Anker spielen eine Rolle. Der individuelle Prozess wird als Weg zur Selbstwirksamkeit verstanden, bei dem die Begleitung von Coaches und Supervisor*innen Halt und Ermutigung gibt.
4. Was können Supervisor*innen und Coaches im Rahmen ihres europäischen Berufsverbands anbieten, um unsere Gesellschaft in Zeiten von Wandel und Unsicherheit zu mehr Klarheit und Selbstwirksamkeit zu begleiten?
Der Verband kann auf gesellschaftlicher Ebene Klarheit und Selbstwirksamkeit fördern, indem er Metaebenen-Kompetenz und Perspektivwechsel stärkt. Er soll Reflexionsräume, Mentoringprogramme und niedrigschwellige Angebote schaffen, Kooperationen ausbauen und positive Narrative verbreiten. Wichtig sind klare Positionierung, transparente Standards und Präsenz in gesellschaftlichen Diskursen, auch gegenüber Populismus. Zudem gilt es, KI verantwortungsvoll einzubeziehen, Aufklärung zu leisten und Netzwerke zu vertiefen. Der Verband wird als Vorbild gesehen, das es durch Werte, Dialog und kollektive Selbstwirksamkeit Inspiration in Zeiten des Wandels gibt.
Sebastian Quirmbach
Member of the Board
EASC (European Association for Supervision and Coaching)