EQ Connects: Was sehen Sie im Spiegel? Empathie, Optimismus und Selbstfürsorge in Coaching und Supervision

Autorin: Emőke Szilika-Iván, Six Seconds Europe

Ausgehend von den Daten unserer eigenen Community hielten wir uns einen authentischen professionellen Spiegel vor. Der durchschnittliche EQ-Wert der Gruppe (100,06) sowie alle acht Kompetenzwerte lagen im funktionalen Bereich. Innerhalb dieses Gruppenprofils erzielte die Kompetenz „Konsequenzen mitdenken“ (Apply Consequential Thinking) mit 102,51 den höchsten Wert, während „Empathie stärken“ (Increase Empathy) mit 97,34 und „Optimismus fördern“ (Exercise Optimism) mit 96,42 die niedrigsten Durchschnittswerte aufwiesen.

 

Was geringere Werte bei Empathie und Optimismus für unsere Community bedeuten

Diese Unterschiede sind innerhalb unserer Gruppe relativ zu betrachten und keineswegs Ausdruck mangelnder Professionalität. Dennoch werfen sie wichtige Fragen für eine Gemeinschaft auf, deren Kernaufgabe darin besteht, Menschen in komplexen persönlichen und beruflichen Herausforderungen zu begleiten, insbesondere in einer zunehmend anspruchsvollen Zeit.

 

Die Reflexion über Empathie
Tag für Tag Klient:innen zu begleiten bedeutet, auch emotionale Lasten mitzutragen. Wenn unsere empathischen Ressourcen belastet sind, besteht die Gefahr, unbewusst in einen „Autopilot-Modus“ zu wechseln oder vorschnell in die Lösungsorientierung zu gehen, statt mit echter Neugier und Tiefe zuzuhören. Daraus ergibt sich die Frage:

Wie aufmerksam nehmen wir unsere eigenen emotionalen Bedürfnisse wahr und begegnen uns selbst mit derselben Empathie, die wir unseren Klient:innen entgegenbringen?

 

Die Herausforderung des Optimismus
Im Six-Seconds-Modell bedeutet Optimismus nicht toxische Positivität. Gemeint ist die Fähigkeit, Möglichkeiten zu erkennen und den eigenen Handlungsspielraum wahrzunehmen. Wenn Klient:innen festzustecken scheinen, unterstützen wir sie dabei, neue Perspektiven zu entwickeln. Doch wie zugänglich ist dieses Gefühl von Möglichkeiten in unseren eigenen herausfordernden Momenten?

Neben sorgfältiger Risikoanalyse und dem Blick auf mögliche Konsequenzen lohnt es sich zu fragen:

Welche weiteren Möglichkeiten könnten sich hier eröffnen? Was liegt weiterhin in meinem Einflussbereich?

 

Balance und Gesundheit: Ein achtsames Warnsignal

Die Indikatoren zum Wohlbefinden brachten diese Überlegungen noch näher an unseren beruflichen Alltag. Der durchschnittliche Wert für Balance lag um 8,8 Punkte über dem Wert für Gesundheit. Gleichzeitig lagen 35 % der Teilnehmenden (23 Personen) beim Indikator Gesundheit unterhalb des funktionalen Bereichs.

Auch wenn es sich dabei um Ergebnisse einer Befragung und nicht um klinische Diagnosen handelt, machen sie ein häufiges Muster in helfenden Berufen sichtbar: Unser kognitives Gefühl von Ausgeglichenheit stimmt nicht immer mit unserem tatsächlichen körperlichen und emotionalen Erleben überein.

 

Praktische Impulse für unsere Arbeit

Die zentrale Erkenntnis aus den Gruppengesprächen war eindeutig:

Die Fürsorge für das eigene Wohlbefinden ist kein nachrangiges Thema. Sie bildet die Grundlage für die Unterstützung, die wir anderen Menschen anbieten.

Deshalb möchten wir die Entwicklung emotionaler Intelligenz und die Selbstfürsorge von Praktiker:innen weiterhin in den Mittelpunkt unserer Community-Arbeit stellen.

Dazu eine konkrete Einladung vor Ihrer nächsten Coaching- oder Supervisionssitzung:

Halten Sie einen Moment inne. Nehmen Sie wahr, wie es Ihnen geht und was Sie gerade brauchen. Was können Sie heute tun, um Ihre eigenen Ressourcen zu stärken, damit Sie mit Präsenz, Neugier und echter innerer Verfügbarkeit in das Gespräch gehen können?

Gehen Sie achtsam und freundlich mit sich selbst um. Denn die Aufmerksamkeit und Wärme, die Sie anderen schenken, beginnt bei Ihnen selbst.

 

Um mehr über das SEI Assessment, Entwicklungsprogramme oder Zertifizierungsmöglichkeiten von Six Seconds zu erfahren, wenden Sie sich bitte an:

Emőke Szilika-Iván, EQ Development Manager for Hungary at Six Seconds Europe: emoke.szilikaivan@6seconds.org

Ilaria Boffa, EQ Social Impact & Account Manager at Six Seconds Europe: ilaria.boffa@6seconds.org